Blutmond (c) 2026 Kay Roedel

 

Der Mond taucht ein in tiefes, flammendes Rot,

die Alten zitterten, sie sahen darin den Tod.

Ein Zeichen der Götter, so glaubten sie fest,

ein Unheil, das naht, wenn der Himmel sich färbt wie ein Nest.

 

Die Krieger legten die Waffen nieder aus Grau'n,

die Priester riefen die Völker zum Beten und Vertrau'n.

Könige zogen nicht in die Schlacht ohne Zögern und Zwang,

Ein blutiger Mond bedeutete den sicheren Untergang.

 

Doch heute kennt man des Himmels Mechanik genau,

der Erdschatten fällt auf den Mond, nach himmlischem Bau.

Das Licht bricht sich rot durch die Hülle der Luft,

kein Omen, kein Fluch, kein Hauch aus der Gruft.

 

Und dennoch, wer steht in der Nacht und schaut still,

dem stockt kurz der Atem, ob er es nun oder nicht will.

Der Verstand sagt: Natur, doch das Herz flüstert leis,

was einst die Menschen erschaudern ließ, bleibt schön auf seine Weis.