Der Schreibtischwächter © 2026 Kay Roedel
Der Morgen dämmert, still und leis',
er wacht im Schein, im Lampenkreis.
Aus Stein, von Rostbraun überzogen,
die Brauen golden, scharf gebogen.
Die Eule, klein, doch fest im Stand,
mein Wächter, seit ich Zeilen fand.
Kein Sturm, kein Zweifel reißt ihn fort,
er hält die Wache, bleibt am Ort.
Er sah die Helden fallen, siegen,
sah Hoffnung wachsen, Liebe fliegen.
Jedes Wort, das ich erdacht,
sah er entstehen, Tag und Nacht.
Die Jahre malten Türkis auf sein Kleid,
er aber blieb, durch alle Zeit.
Aus Gedanken werden Worte,
entführen uns an fremde Orte.
Er schweigt, doch seine Stille spricht,
die strengen Augen täuschen nicht.
Wer ohne Wort an meiner Seite bleibt,
ist ein Freund, solang mein Stift noch schreibt
Geschrieben am 3. Oktober 2026.