Irgendwann, aber nicht heute © 2026 Kay Roedel
Die Zeugnisse kommen, das weiß ich schon,
doch heute döse ich, faul und ohne Plan.
Es dauert noch, es ist noch weit,
ich hab doch noch so viel Zeit.
Mein Kumpel sagt, er weiß schon wohin,
ich nick und frag mich, wer ich bin.
Er klingt so sicher, so bereit,
ich tu nur so, als wär mir das egal dabei.
Was danach kommt, ich stell's mir vor,
vielleicht eine Stadt, ein neues Tor.
Ein Zug, ein Start, ein fremdes Bett,
ich frag mich, ob ich das drauf hätt.
Doch dann die Angst, so ganz konkret,
was wenn die Zeit an mir vorbeigeht.
Was wenn ich's verbock, alle anderen schon fahren,
und ich noch hier steh nach all den Jahren?
Ich will dazugehören, will was sein,
nicht immer nur der, der wartet, allein.
Will dass man mich irgendwann versteht,
auch wenn ich selbst nicht weiß, wohin es geht.
Mama fragt mich, was ich plane jetzt,
ich sag, ich überleg noch, bis zuletzt.
Sie schaut mich an, ich schau vorbei,
ich tu so als wär mir alles einerlei.
Dabei brennt da was in mir ganz still,
ein Wunsch, der mehr als träumen will.
Ich will was aufbauen, will auch dort stehn,
will dass die andern mich endlich richtig sehn.
Nur heute nicht, nur heute will ich noch,
einfach hier sein, lachen, träumen, ohne Joch.
Im Schulhof, quatschend, wo man planlos abhängt,
bevor das große Leben richtig anfängt.
Ich spüre sie kommt, ich fliege mit der Zeit,
vielleicht bin ich bereit,
vielleicht bin ich noch nicht so weit.
Erschienen, am 19. Mai 2026.